Wenn der Partner gewalttätig wird

Gewalt in den eigenen vier Wänden. Schläge, Drohungen, Demütigung vom Partner und Vater. Für Frauen und Kinder kann das Zuhause ein verborgenes Martyrium werden. Die gemeinsamen Anstrengungen von Polizei, Justiz, Kinder- und Jugendschutz sowie Beratungsstellen und ein flächendeckendes Therapieangebot für Täter sind daher unverzichtbar für den Opferschutz.

"Das Land hat in den vergangenen Jahren die Täterarbeit im Fall häuslicher Gewalt vorangebracht", begrüßt Reiner Johannsen, Geschäftsführer von pro familia Schleswig-Holstein. "Doch noch gibt es weiße Flecken auf der Karte, und der Bedarf ist steigend. Innerhalb von zehn Jahren hat sich die Zahl der Gewalttäter, die in die speziellen Gruppen von pro familia kommen, mehr als verdoppelt. Wegen langer Warteliste wurde in Kiel nun eine zweite Gruppe eröffnet. Und der Kreis Ostholstein ist als neuer Standort dazugekommen."

pro familia bietet Gruppen an in Kiel, Kreis Plön, Flensburg, Kreis Schleswig-Flensburg, Lübeck, Kreis Stormarn, Rendsburg-Eckernförde, Neumünster und Kreis Segeberg.

Sie kommen aus allen sozialen Schichten, die meisten auf Weisung durch die Justiz, einige freiwillig. Nicht alle halten durch. Aber die meisten wollen lernen, wie sie ihre Aggressionen in den Griff bekommen und Konflikte in der Beziehung und Familie gewaltfrei lösen können, damit nicht wieder "einfach die Hand ausrutscht". In vier bis fünf Monaten erarbeiten sie mit spezialisierten Beratern neue Verhaltensmuster.

"Ich hätte nicht gedacht, dass ich hier so viel lernen kann und es mir wirklich hilft, ruhiger zu werden", so ein Klient, der freiwillig noch bis zum Jahresende in der Gruppe bleiben will. "Viele stellen ihr Verhalten in Frage und sind dankbar für Hilfen zur Veränderung", berichtet Dipl.-Psychologe Kay Wegner, Mitarbeiter der spezialisierten pro familia-Beratungsstelle im "Packhaus" in Kiel und Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft Täterarbeit Häusliche Gewalt. "Wir laden auch die Partnerin zum Einzelgespräch ein, was sehr gut angenommen wird. Es ist uns wichtig, auch ihre Sicht der Dinge zu hören und sie über Inhalte, Ziele und Grenzen unserer Arbeit zu informieren."

Auch im Hinblick auf die Kinder sei die Täterarbeit eine ganz wichtige Aufgabe. Sie seien immer mit betroffen, auch wenn die Gewalt nicht direkt gegen sie gerichtet ist. "Miterlebte Gewalt in der Familie ist eine immense Belastung für die Entwicklung des Kindes und bleibt nur selten ohne Folgen für die psychische Gesundheit", betont Wegner. Als beispielhaft könne die Gruppe für Kinder, die häusliche Gewalt erleben, in der pro familia-Einrichtung Wagemut in Flensburg gelten.

Den Rahmen für die Täterarbeit bildet das Kooperations- und Interventionskonzept – kurz KIK- gegen Häusliche Gewalt. Die 1995 mit Unterstützung des Justizministeriums gegründete pro familia-Fachberatungsstelle im Packhaus in Kiel ist von Anfang an beteiligt. Aus dem bundesweit modellhaften Projekt entwickelte sich ein nahezu flächendeckendes Therapie- und Beratungsangebot für Täter an mittlerweile 14 Standorten in Schleswig-Holstein, das zum großen Teil von pro familia geleistet wird. Im Kreis Nordfriesland bietet das Diakonische Werk Südtondern gGmbH, in Pinneberg, Kreis Steinburg und Dithmarschen die Brücke Elmshorn e.V. Täterarbeit an.

Weitere Informationen und Flyer:
Beratungsstelle im Packhaus

Weitere Informationen:
pro familia Schleswig-Holstein
Marienstr. 29-31, 24937 Flensburg
Tel. 04 61 – 90 92 620 - Fax 04 61 – 90 92 649
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