Kostenübernahme ärztlich verordneter Verhütungsmittel

pro familia fordert neue Hilfe zur Familienplanung

Zunehmend verweisen ungewollt Schwangere auf die für sie unerschwinglichen Kosten sicherer Verhütungsmittel. Verhütung darf aber nicht am Geld scheitern. Jeder Mensch hat das Recht, unabhängig von seinem sozialen Status, die Verhütungsmethode zu wählen, die zu ihm passt, größtmögliche Sicherheit bietet und für ihn gesundheitlich verträglich ist.

Seit Inkrafttreten des Gesundheitsmodernisierungsgesetzes 2004 haben Frauen und Männer, die Arbeitslosengeld II oder Sozialgeld beziehen, keine Möglichkeit mehr, eine Hilfe zur Familienplanung zu beantragen. Und die Krankenkassen übernehmen die Kosten für ärztlich verordnete Verhütungsmittel nur für Jugendliche bis zum vollendeten 20. Lebensjahr.

Auf diesen Missstand hat pro familia immer wieder hingewiesen. Während einige Bundesländer sich ausdrücklich für die Beibehaltung einer Hilfe zur Familienplanung entschieden haben, hat sich in Schleswig-Holstein auf Landesebene bis heute nichts bewegt. Gefordert bleibt der Bund.

Projekte zur Kostenübernahme in Schleswig-Holstein

Mittlerweile gibt es Projekte in Flensburg, in Geesthacht, in Norderstedt, in Neumünster und in den Kreisen Stormarn und Dithmarschen.

Bundesfamilienministerium fördert Modellprojekt in Lübeck

Die Hansestadt ist einer von sieben Standorten, die an dem bundesweiten Modellprojekt "biko – Beratung, Information und Kostenübernahme bei Verhütung" des pro familia Bundesverbandes e.V. teilnehmen. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) gefördert. Es soll u.a. zuverlässige Daten für den tatsächlichen Bedarf an einer Kostenübernahme liefern. Langfristig könnte diese Erhebung die Grundlage für eine bundesweite Regelung bilden. Neben Lübeck wurden für das Projekt die Standorte Halle (Saale), Recklinghausen, Ludwigsfelde, Saarbrücken, Wilhelmshaven und Erfurt (Altern) ausgewählt. Weitere Informationen: Modellprojekt in Lübeck

Infos und Anträge bei pro familia

In den pro familia-Beratungsstellen vor Ort können sich Betroffene dazu beraten lassen und Anträge stellen:

Flensburger Projekt beispielhaft

2009 startete die Stadt Flensburg als erste in Schleswig-Holstein ein Projekt zur Kostenübernahme ärztlich verordneter Verhütungsmittel. Dort hat das Engagement des Frauenforums, in dem auch pro familia mitarbeitet, Früchte getragen. Gemeinsam mit der Politik, der Verwaltung, Verbänden und Beratungsstellen wurde eine Regelung erarbeitet, die wieder allen Frauen einen uneingeschränkten Zugang zu Verhütungsmitteln ermöglicht. Sie dient auch dem Erhalt der Gesundheit und nicht zuletzt der Prävention gegen ungeplante Schwangerschaften und Schwangerschaftsabbruch.

Kosten für Verhütung

Für Frauen und Männer mit wenig Geld ist es sehr schwierig geworden, Verhütungsmittel zu finanzieren, vor allem wenn einmalige hohe Kosten aufzubringen sind, z.B. für die kostengünstigere Sechs-Monatspackung der Pille (bis zu 60 €) oder die Kupferspirale bzw. Hormonspirale (Kupferspirale ca. 24 €, Hormonspirale 190 € plus Einlage ca. 120 €, plus die sechs bis 12-monatliche Kontrolluntersuchung ca. 30 €), das Hormonimplantat (Kosten für drei Jahre inklusive Einlage ca. 300 - 320 €) und die Sterilisation (ca. 400 - 750 €). Ein planmäßiges Ansparen ist aufgrund des eng bemessenen Regelsatzes unrealistisch.

Menschenrecht auf Familienplanung

409 Euro im Monat beträgt der Regelsatz für ALG II und Sozialgeld für einen allein stehenden Erwachsenen. Verhütungsmittel sind in diesem Warenkorb nicht enthalten. Da ihr Preis in den vergangenen Jahren gestiegen ist, hat sich die Lage zusätzlich verschärft. Dadurch ist auch das Spektrum der möglichen Methoden für Menschen mit geringem Einkommen deutlich eingeschränkt und das Recht auf Familienplanung, das seit der Internationalen Konferenz für Bevölkerung und Entwicklung in Kairo bereits 1994 als Menschenrecht anerkannt wurde, nicht mehr für alle garantiert.

Weitere Informationen:
pro familia Schleswig-Holstein
Marienstr. 29-31, 24937 Flensburg
Tel. 04 61 – 90 92 620 - Fax 04 61 – 90 92 649
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